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Rück- und Ausblick auf die Kapitalmärkte

Das Börsenjahr 2016 war turbulent und entsprechend von hohen Kursschwankungen geprägt. Zweifel an der wirtschaftlichen Stärke Chinas und ein weiter fallender Ölpreis haben die Aktienmärkte bis Mitte Februar einbrechen lassen. Bis zum 11. Februar fiel der DAX um -19.4 Prozent und der Dow Jones um -11 Prozent. Gleichzeitig fielen die Zinsen auf immer tiefere Niveaus und es machte sich Panikstimmung breit. Es setzte sich dann die Erkenntnis durch, dass die Regierung in China die Lage nach wie vor im Griff hat, die Erdölpreise nicht ins Bodenlose fallen würden und dass die Zinsen nicht unbegrenzt negativ werden konnten. Dies war der Start für die Gegenbewegung.

Das vergangene Jahr hat mehrfach eindrucksvoll gezeigt, dass die Politik wieder ein wichtiger Einflussfaktor für die Wirtschaft und die Finanzmärkte geworden ist. So wurde das Jahr 2016 durch drei wesentliche politische Ereignisse geprägt: Die Entscheidung der Briten, die EU zu verlassen, die Wahl Donald Trumps zum 45. US Präsidenten, sowie das Referendum in Italien, in welchem die Bevölkerung eine Reform des politischen Systems ablehnte. Insbesondere der Ausgang der ersten zwei Ereignisse vermochte die Marktteilnehmer zu überraschen. Der unmittelbare Kursverfall nach dem unerwarteten Resultat des EU-Referendums in Grossbritannien war nach lediglich drei Tagen vorbei und es folgte eine beeindruckende weltweite Börsenrally. Die noch grössere Überraschung bei den US-Wahlen sorgte für eine sehr kurze Phase der Volatilität. Nach nur ein paar Stunden drehten die Börsen ins Plus und waren bis Jahresende gut gelaunt. Die Volksabstimmung in Italien erhielt zwar ein grosses Medienecho, blieb jedoch an den Kapitalmärkten mehr oder weniger ohne Auswirkungen.

Die Weltwirtschaft hat 2016 um 3.1 Prozent zugelegt. Gross war die Überraschung für die Märkte, als mit der Wahl von Donald Trump ein echter Schub für die US-Wirtschaft möglich schien. Im November zeigten die wichtigsten US-Konjunkturvorlaufindikatoren eine deutliche Stimmungsverbesserung bei den Unternehmen. Für die US-Konjunktur kann das Wirtschaftsprogramm von Donald Trump zunächst positive Impulse bringen. So dürfte es zu einer weiteren Absenkung der Spitzeneinkommenssteuersätze, einer deutlichen Reduktion des Unternehmenssteuersatzes, einer Anhebung des Mindestlohns und einem Infrastrukturinvestitionsprogramms kommen. Der private Konsum trug weiterhin als wesentliche Kraft zum Wirtschaftswachstum bei. Insofern war es letztlich nicht überraschend, dass sich die US-Notenbank Mitte Dezember dazu entschieden hat, ihren Leitzins anzuheben. Die aktuelle Bandbreite beträgt 0.5 bis 0.75 Prozent.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat im Dezember 2016 ihr umfangreiches Anleihenkaufprogramm (Quantitative Easing) bis Dezember 2017 verlängert, allerdings wird ab April 2017 das Ankaufvolumen von derzeit monatlich EUR 80 Mrd. auf EUR 60 Mrd. reduziert. Dieses Programm der EZB hat bspw. für Euro-denominierte Non-Financial-Unternehmensanleihen im Investment-Grade-Bereich deutliche Spuren hinterlassen. Die Risikoaufschläge sind markant gefallen und die Durchschnittsrendite lag in diesem Segment Ende Dezember 2016 bei 0.8 Prozent.

Die Aussichten für Anleiheninvestoren sind nicht erfreulich. Die grosse Rally bei Zinspapieren der letzten 30 Jahre scheint zu Ende gekommen zu sein. Das Zinstief bei den 10-jährigen US Staatsanleihen lag Anfang Juli 2016 bei 1.37%. Ob dies der Tiefpunkt war wird sich zeigen, wir können es uns gut vorstellen.

Vor dem Hintergrund der Wachstumseuphorie nach den US-Wahlen setzte sich der seit Juli laufende, zyklische Umschichtungsprozess weiter fort. Die deutlich schwächere Performance defensiver Werte (Nahrungsmittel und Pharma) preist die gestiegenen Inflationserwartungen und eine steilere Zinskurve ein. Wir rechnen in den kommenden Monaten tendenziell mit einer Fortführung dieses Trends.

Wir erwarten auch für 2017 eine hohe Schwankungsbreite an den Kapitalmärkten, wie wir dies bereits in den vergangenen Jahren beobachten konnten. Wir erachten das Umfeld für Aktienanlagen derzeit als attraktiv, insbesondere für Aktien aus den Industrieländern. Die immer wieder monierte Schwäche der Unternehmensgewinne läuft aus. Im Jahr 2017 rechnen wir daher mit höheren Gewinnen. Dies ist nicht zuletzt auf die verbesserten Wachstumsaussichten zurückzuführen. Viele Vorlaufindikatoren sind gestiegen, die veröffentlichten Konjunkturdaten liegen über den Erwartungen.

Die politischen Börsen bleiben uns auch 2017 erhalten. Diese können, ähnlich wie 2016 zu beobachten war, je nach Ausgang der Wahlen die Märkte ordentlich schütteln und für anhaltende Volatilität sorgen. Im Frühjahr finden in Frankreich die Präsidentschafts- und Parlamentswahlen statt. Sollte Marine Le Pen mit der Front National Frankreichs Präsidentin werden, könnte dies das Ende des europäischen Projekts bedeuten. Zuvor finden im März in den Niederlanden Parlamentswahlen statt und im September folgt die Bundestagswahl in Deutschland.  

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