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Notenbanken und deren Experimente

Nach der Pleite von Lehman Brothers im Herbst 2008 stand das weltweite Finanzsystem vor dem Zusammenbruch. Dieser wurde durch das rasche Eingreifen der Notenbanken verhindert, die den Banken nahezu unbegrenzt Liquidität zur Verfügung stellten. Dadurch wurde den Regierungen die Möglichkeit geboten den Schuldenabbau voranzutreiben und das Bankensystem zu sanieren.

Heute wissen wir, dass die Staaten diesen Spielraum nicht genutzt haben. Die Gesamtschulden dieser Welt - Staaten, Unternehmen inkl. dem Finanzsektor und Privathaushalte - sind seit 2007 von 140 Billionen USD auf mehr als 200 Billionen USD angewachsen, mehr als 40%!

Seit der Weltwirtschaftskrise haben wir es mit dem schwächsten wirtschaftlichen Aufschwung nach einer Rezession zu tun. Die Politik der Zentralbanken hat in den letzten Jahren die Finanzmärkte bei Laune gehalten (Stichwort Asset Price Inflation), doch das wesentliche Ziel Wachstum zu generieren wurde klar verfehlt. Im aktuellen Bericht von DALE Investment Advisors (http://www.dale.at/wpcontent/uploads/2015/04/2016.04_Marktausblick_Frühjahr.pdf) kommt der Autor zum Schluss, dass die Idee, dass Zentralbanken mit ihren monetären Experimenten einen positiven Beitrag zum Wirtschaftsgeschehen leisten, als gescheitert zu betrachten ist. Er weist darauf hin, dass die Politik der Notenbanker einen nicht wieder gut zu machenden Schaden anrichten wird und begründet seine Aussagen.

Natürlich werden die Notenbanken ihr Handeln fortsetzen, es darf jedoch stark bezweifelt werden, dass die künftig getroffenen Massnahmen, auch wenn diese teils überraschen werden, die gewünschten Wirkungen zeigen werden. Wie tief können bspw. Negativzinsen noch fallen? Ohne die gleichzeitige Abschaffung des Bargeldes, was unseres Erachtens ein sehr verhängnisvoller Fehler wäre, sind die Möglichkeiten limitiert, da es sonst zur Hortung von Bargeld käme. Die Behauptung der europäischen Regierungen, es ginge um die Bekämpfung der Kriminalität und des Terrors, ist offensichtlich nur ein ziemlich durchsichtiges Täuschungsmanöver, um die tatsächlichen Gründe für diesen Schritt zu vernebeln. Wir Bürger sollen umfassend kontrollierbar sein, natürlich nur zu unserem Besten, was denn sonst.

Die wirtschaftlichen und gesamtgesellschaftlichen Folgen ihrer Experimente im Auge zu behalten wird immer schwieriger für die Damen und Herren Zentralbanker. Einige Marktteilnehmer sind der Ansicht, dass wenn die Notenbanken an ihre Grenze stossen, die nationalen Regierungen, zumindest jene die es sich leisten können, dem entgegenwirken müssten, und bspw. durch Erhöhung von Infrastrukturausgaben helfen das globale Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Wir bezweifeln, dass sich die Schuldenkrise auf traditionelle Weise, durch sparen oder durch Wachstum, lösen lassen wird. Es ist auch nicht sinnvoll eine Schuldenkrise durch noch mehr Schulden (deficit spending) lösen zu wollen.

Wann die Notenbankexperimente stoppen und was im Endspiel passieren wird ist Gegenstand vieler Vorträge, Diskussionen und Abhandlungen. Bis dahin wird die finanzielle Repression weitergeführt werden. Es ist schwer vorstellbar, dass am Ende nicht die Gläubiger den Preis für die Schuldenkrise zahlen werden.

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