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Das Referendum des Vereinigten Königreichs am 23. Juni 2016

Am 23. Juni stimmen die Briten über den Verbleib in der Europäischen Union ab. Drei Monate vor dem britischen Referendum sehen verschiedene Umfragen den Ausgang als völlig offen an.

David Cameron liess sich nach dem EU-Gipfel am 19. Februar für seine Verhandlungserfolge feiern und wirbt seither für den Verbleib des Vereinigten Königreichs in der EU. Die geplanten Zugeständnisse der Europäischen Union für Grossbritannien umfassen das Verhältnis der Eurozone zu Nicht-Euro-Staaten, Sozialleistungen für EU-Bürger, Bürokratieabbau sowie die Zusicherung sich politisch nicht weiter in die EU integrieren zu müssen.

Es scheint, als könnte eine Volksabstimmung, die David Cameron nie wollte, ihm zum Verhängnis werden. Schon 2005, als Cameron Parteichef wurde, war sein Versprechen seine Partei in Brüssel aus dem Verbund der europäischen konservativen Parteien zu führen, vor allem ein Geschenk an die parteiinternen Euroskeptiker. Auch 2013, als er sich gezwungen sah, ein Referendum über die EU-Mitgliedschaft in Aussicht zu stellen, war das der Versuch, die internen Kritiker zu besänftigen.

Mit dem überaus beliebten Bürgermeister von London, Boris Johnson, haben die Befürworter eines Austritts aus der EU, dem sog. ‘Brexit‘, einen schwergewichtigen Politiker an ihrer Spitze, der sich gegen den eigenen Parteichef stellt. Neben Johnson bekannte sich mit Justizminister Michael Gove, auch ein enger Parteifreund von Cameron, als Fürsprecher der ‘Leave‘-Kampagne.

Jeder gewaltsame Zwischenfall, der mit der aktuellen Flüchtlingskrise in Verbindung gebracht werden könnte, stärkt das Austrittslager. Andererseits bauen sowohl britische als auch internationale Unternehmen ihre Kampagne für den Verbleib in der EU aus.

An den Finanzmärkten lässt sich die Sorge über einen ‘Brexit‘ seit geraumer Zeit ablesen. Dazu hat der finanzpolitische Ausschuss der Bank of England Stellung genommen und gesagt, dass die Unsicherheit bis zum Ausgang des Referendums jedenfalls bestehen bleibe. Diese erhöhte Unsicherheit habe das Potential die Risikoaufschläge, die die Anleger in Bezug auf eine relativ breite Palette von Anlagen fordern zu erhöhen, was zu einer weiteren Abwertung des Pfunds führen könnte.

So hat das Britische Pfund seit Jahresanfang mehr als acht Prozent gegenüber dem Euro und mehr als vier Prozent gegenüber dem US-Dollar verloren. Ein Nein würde die Risikoaversion und damit die aktuelle negative Dynamik erhöhen und somit die meisten europäischen Risikoanlagen belasten. Ein Ja würde bei bislang unter Druck stehenden Vermögenswerten eine Erleichterungsrally auslösen.

Britische Firmen mit einem hohen Exportanteil – der FTSE 100 Index hat eine Exportquote von 80 Prozent – dürften von einem weiterhin schwachen Pfund profitieren. Hingegen würden FTSE 250 Index Unternehmen aufgrund der stärkeren Binnenorientierung von einer schwächeren britischen Wirtschaft stärker betroffen sein als multinationale Unternehmen.

Ein Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union würde wahrscheinlich die weltweite Bedeutung und der Einfluss des Landes verringern. Demgegenüber stehen mächtige
Interessen, die dies zu verhindern versuchen.

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